Ich würde mich nicht unbedingt als gute Geschichten-Erzählerin oder gar Poetin beschreiben. Allerdings gibt es manche Situationen im Leben, die sich nur narrativ fassen lassen oder aus denen reine Poesie spricht. Insofern lässt sich – wie Roger Willemsen so schön gesagt hat – das Leben manchmal nur „verdichten“. In diesem Sinne …



Es begann an einem Ort, an dem Wasser und Staub sich küssten.
Dort, wo der Fluss Sambandham in der Trockenzeit leiser wurde und die Erde dennoch wusste, dass irgendwo tief unter ihrer Haut noch Ströme flossen, lebte eine Elefantendame in einem warmen, leuchtenden Orange – als hätte die Abendsonne beschlossen, in einem Herzen zu wohnen.
Man nannte sie die Hüterin der Wege, denn Elefanten vergessen nichts. Sie trug Erinnerungen wie andere Schmuck tragen: sichtbar, schwer, kostbar.

Nicht weit davon, im stillen, spiegelnden Blau einer Lagune, lebte eine Nilpferddame, bunt wie ein Traum aus Wasserfarben. Auf ihrer Haut schimmerten Töne von Türkis, Rosenrot und sanftem Gold, als hätte der Fluss selbst versucht, sich in ihr zu malen.
Nilpferde sind Wesen zwischen zwei Welten – halb Wasser, halb Land, halb Stille, halb Gesang. Und so war auch sie: tief fühlend, verborgen stark, mit einem Herzen, das im Rhythmus des Wassers schlug.

Ihre Begegnung geschah nicht laut.
Magie geschieht selten laut.
Die Elefantendame kam eines Abends zum Trinken, schwer von Gedanken, die älter waren als der Tag. Die Nilpferddame hob den Kopf aus dem Wasser, Tropfen glitten von ihr wie kleine Sterne zurück in den Fluss.
Ihre Blicke trafen sich – und etwas uraltes, wortloses Erkennen zog durch die Luft, wie der erste Ton eines Liedes, das beide längst kannten.
Von diesem Moment an war die Welt nicht mehr dieselbe.
Sie begannen, sich zu begegnen wie zwei Melodien, die plötzlich harmonieren.

Die Elefantendame brachte Geschichten aus fernen Savannen, getragen von schwer belastenden Erinnerungen und Weisheit.
Die Nilpferddame schenkte Tiefe, Stille und das Wissen, dass man auch unter Wasser atmen kann – wenn jemand neben einem schwimmt.
Sie erzählten einander ihre langen erfahrungsreichen Leben. Tage und Nächte lang. Hörten einander zu und erkannten den anderen und (im anderen) sich selbst.


Gemeinsam lauschten sie der Musik des Windes in den Gräsern, dem Trommeln der Schritte auf trockener Erde, dem leisen Puls des Flusses in der Nacht. Sie machten einander auf die bezauberndsten Melodien aufmerksam, deren Botschaften nur sie beide verstanden.
Manchmal sang die Nilpferddame sogar – tiefe, vibrierende Töne, die durch Wasser und Knochen gingen.
Und die Elefantendame antwortete mit einem sanften, warmen Grollen, das klang wie Geborgenheit selbst.


Zwischen ihnen wuchs etwas, das größer war als Freundschaft und stiller als ein Versprechen.
Vertrauen, das sich nicht erklärte.
Nähe, die nicht fragte.
Liebe, die keinen Namen brauchte.
Sie wurden einander Spiegel und Motor zugleich.
Wo die eine zögerte, erinnerte die andere an Mut.
Wo die eine fiel, hielt die andere Raum.
Zwei verletzte Seelen, die lernten, dass Berührung nicht immer Schmerz bedeutet.


Doch selbst die weiteste Savanne kennt Schatten.


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